Am 2. August 2026 treten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act in Kraft. Anders als die viel diskutierten Hochrisiko-Pflichten, deren Fristen über das „Digital Omnibus”-Paket voraussichtlich nach hinten verschoben werden, bleibt dieser Termin unverändert.
Betroffen ist damit nicht eine kleine Gruppe von Spezialanwendungen, sondern praktisch jedes Unternehmen, das einen KI-Chatbot betreibt oder KI-generierte Inhalte veröffentlicht. Die gute Nachricht: Der Aufwand ist überschaubar. Die schlechte: Er muss vor dem Stichtag erledigt sein.
Dieser Beitrag beschreibt fünf Schritte, die sich in wenigen Wochen umsetzen lassen.
Artikel 50 regelt keine Verbote und keine Zulassungsverfahren. Er verlangt etwas deutlich Einfacheres: Menschen sollen wissen, wann sie es mit KI zu tun haben. Konkret ergeben sich daraus zwei Kernpflichten:
Hinzu kommen Informationspflichten beim Einsatz von Emotionserkennung und biometrischer Kategorisierung – ein Bereich, der die meisten mittelständischen Unternehmen nicht betrifft.
Was Artikel 50 nicht verlangt: eine Zertifizierung, ein Register, eine behördliche Genehmigung oder eine juristische Prüfung jedes einzelnen Prompts. Diese Verwechslung sorgt in der Praxis für mehr Verunsicherung als die Pflicht selbst.
Der häufigste blinde Fleck ist nicht die bekannte Chatbot-Integration, sondern das, was Mitarbeiter eigenständig einsetzen: ChatGPT für Textentwürfe, KI-Funktionen in bestehender Software, Übersetzungswerkzeuge, Bildgeneratoren im Marketing. Diese nicht freigegebene Nutzung – oft als Schatten-KI bezeichnet – fällt genauso unter die Pflichten wie die offizielle Lösung.
Beginnen Sie deshalb mit einer schlichten Liste: Welche Werkzeuge sind im Einsatz, in welcher Abteilung, für welchen Zweck, und berühren sie Kunden oder veröffentlichte Inhalte? Eine Tabelle genügt. Was zählt, ist die Vollständigkeit, nicht die Form.
Sehen Sie sich alle Berührungspunkte an, an denen KI direkt mit Menschen interagiert: Chatbot auf der Website, KI-gestützte Telefonassistenz, automatisierte E-Mail-Antworten, Assistenten im Kundenportal.
Für die Kennzeichnung genügt in der Regel ein klarer Hinweis beim ersten Kontakt – etwa „Sie chatten mit unserem KI-Assistenten”. Entscheidend ist, dass der Hinweis vor der Interaktion sichtbar ist und nicht im Impressum versteckt wird. Wer einen souveränen KI-Assistenten einsetzt, sollte prüfen, ob die Kennzeichnung konfigurierbar ist; bei den meisten professionellen Lösungen ist sie es.
Dieser Punkt wird häufiger übersehen als der erste. Betroffen sind Inhalte, die veröffentlicht werden: Blogtexte, Produktbeschreibungen, Bildmaterial, Social-Media-Beiträge, synthetische Stimmen.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens sollten Sie eine interne Regel festlegen, wie KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden – und diese Regel dokumentieren. Zweitens sollten Sie prüfen, ob die eingesetzten Werkzeuge Metadaten oder Wasserzeichen unterstützen. Viele tun das bereits, ohne dass die Funktion aktiviert wäre.
Eine Pflicht, für die niemand zuständig ist, wird nicht erfüllt. Das ist keine juristische, sondern eine organisatorische Erkenntnis – und in der Praxis der häufigste Grund, warum Maßnahmen nach dem ersten Workshop versanden.
Benennen Sie eine Person, die den Überblick über eingesetzte KI-Systeme behält, die Kennzeichnung verantwortet und bei neuen Anwendungen vorab prüft. In größeren Organisationen bündelt diese Aufgaben ein KI-Beauftragter; in kleineren genügt oft eine benannte Rolle mit klarem Mandat. Wichtig ist weniger der Titel als die Verbindlichkeit.
Während sich die Aufmerksamkeit auf den August-Termin richtet, ist eine andere Pflicht bereits seit 2. Februar 2025 in Kraft: Artikel 4 verlangt, dass Mitarbeiter, die KI-Systeme einsetzen oder betreiben, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen – angemessen zu ihrer Rolle.
Diese Pflicht ist damit nicht künftig, sondern seit über einem Jahr offen. Erfüllen lässt sie sich durch gezielte KI-Schulungen mit dokumentierter Teilnahme. Der Nachweis ist dabei genauso wichtig wie die Schulung selbst.
Ob und wo bei Ihnen Handlungsbedarf besteht, lässt sich schneller klären, als die meisten erwarten. Unser kostenloser EU-AI-Act-Check führt durch die relevanten Fragen und zeigt Ihnen Risikoklasse, offene Maßnahmen und Prioritäten – das Ergebnis erscheint sofort auf der Seite, ohne E-Mail-Adresse.
Den vollständigen Überblick über Risikoklassen, den gestaffelten Zeitplan und die Bußgeldstufen finden Sie auf unserer Seite zum EU AI Act.
Für die meisten mittelständischen Unternehmen bedeutet der 2. August 2026 keine tiefgreifende Umstellung, sondern eine Handvoll konkreter Maßnahmen: hinsehen, kennzeichnen, zuständig machen, dokumentieren. Der Aufwand liegt typischerweise im Bereich weniger Tage – vorausgesetzt, man beginnt nicht erst Ende Juli.
Was sich nicht nachholen lässt, ist die Zeit davor. Wer die Bestandsaufnahme jetzt macht, hat die Kennzeichnung bis zum Stichtag ohne Hektik erledigt.
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Fristen des AI Act befinden sich 2026 im Anpassungsprozess (Digital Omnibus) – maßgeblich ist der jeweils im EU-Amtsblatt veröffentlichte Stand.
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